Am 12. Februar 2025 wurden in den Wagenhallen Stuttgart die 21 ausgewählten Projekte der Initiative Kulturkessel vorgestellt. Eine unabhängige Jury – bestehend aus Vertreter:innen der Kulturszene, der Stadt Stuttgart, des Jugendgemeinderats sowie von Mercedes-Benz – wählte sie aus über 90 eingereichten Bewerbungen aus. Entscheidend waren künstlerische Innovation, gesellschaftliche Relevanz und eine nachhaltige Wirkung auf die Stadtgesellschaft.
Ein besonderer Fokus der Initiative liegt auf der kulturellen Teilhabe junger Menschen. Die geförderten Projekte eröffnen neue Perspektiven und innovative Formate, um Stuttgart als kreativen Raum aktiv mitzugestalten. Sie reichen von partizipativen Ausstellungsprojekten über experimentelle Theater- und Musikformate bis hin zu interdisziplinären Ansätzen, die Kunst, Wissenschaft und digitale Medien miteinander verbinden.
Die 21 Projekte
01
Heimat im Dialog – Junge Perspektiven
Wie sieht Heimat aus? Dieses partizipative Projekt gibt Jugendlichen die Möglichkeit, ihre eigene Definition von Heimat zu entwickeln – und sie in einer selbst kuratierten Ausstellung im Heimatmuseum Plieningen zu präsentieren. In einem Design-Thinking-Prozess erarbeiten sie künstlerische Arbeiten, die Identität, Zugehörigkeit und Wandel reflektieren. Die Ausstellung wird gemeinsam mit Künstler:innen und Museumsexpert:innen realisiert.
Kann ein Brettspiel gesellschaftliche Vielfalt abbilden? Dieses Projekt erkundet, wie Spiele als künstlerisches Medium neue Perspektiven auf Migration und Zusammenleben eröffnen können. In Workshops entwickeln Teilnehmende eigene Spiele, die kulturelle Vielfalt thematisieren. Die fertigen Spiele werden in einer interaktiven Performance öffentlich erprobt.
Beteiligte: Akademie Schloss Solitude & Post Theater Format: Workshops, Performance, Game-Design Zielgruppe: Alle ab 16 Jahren mit Interesse an Gesellschaftsspielen und Diversität
03
Die „Kessel-Chroniken“
Stuttgart als GraphicNovel – aus der Sicht junger Menschen. In monatlichen Workshops arbeiten junge Erwachsene an einer kollektiven „Kessel-Chronik“. Die Teilnehmenden dokumentieren ihre Erfahrungen, Träume und Herausforderungen in Comic-Form und lernen dabei verschiedene Illustrations- und Erzähltechniken kennen. Zwei Exkursionen zu renommierten Comicfestivals erweitern die künstlerische Perspektive.
Das Int. shortmood U30 Kurzfilmfestival für die Generation Z. Internationale Filmemacher:innen unter 30 präsentieren ihre Werke, eine junge Jury kürt die besten Beiträge. Begleitend gibt es Filmgespräche, Workshops und ein interaktives Rahmenprogramm. Ziel ist es, junge Menschen für das Medium Film zu begeistern – als Zuschauer:innen und als kreative Akteur:innen.
Beteiligte: Kulturverein Merlin e.V., Ingo Klopfer Format: Festival, Jurywettbewerb, Publikumsveranstaltung Zielgruppe: Filminteressierte bis 29 Jahre
05
BRAVE SPACES
Kunst als Reaktion auf gesellschaftliche Ängste. Junge Menschen aus Stuttgart entwickeln gemeinsam mit professionellen Künstler:innen eine Tanz-, Theater- und Musikperformance, die sich mit Unsicherheiten, Mut und Zusammenhalt auseinandersetzt. Das Projekt nutzt soziokratische Methoden, um demokratische Werte auch im Arbeitsprozess erfahrbar zu machen.
Kulturelle Vielfalt trifft auf Unterhaltung. Auf der Bühne der Rosenau entsteht ein Mix aus Comedy, Literatur und Musik, der Inklusion erlebbar macht. Begleitend setzen sich Schüler:innen in Workshops mit dem Thema auseinander. Humor wird dabei als Brücke genutzt, um neue Perspektiven auf Barrierefreiheit und Vielfalt zu eröffnen.
Theater trifft Pflegeausbildung. In diesem innovativen Projekt nutzen Pflege-Auszubildende das Theater als Reflexionsraum für ihre Berufserfahrungen. Sie besuchen relevante Inszenierungen und entwickeln gemeinsam ein eigenes Forum-Theaterstück, das die Herausforderungen und Chancen der Pflegearbeit thematisiert. Ziel ist es, die emotionale Intelligenz und das Bewusstsein für ethische Fragestellungen in der Pflege zu stärken.
Artistic Resistance – Political Resilience:Subkulturelle Widerstandspraktiken ist ein interdisziplinäres Projekt und schafft einen Schutzraum für queere, migrantische und Schwarze Communities. Durch Kunst, Forschung und Performances entstehen neue Ausdrucksformen des Widerstands gegen Diskriminierung und soziale Ungleichheit. Die Teilnehmenden erarbeiten gemeinsam künstlerische Strategien zur Stärkung politischer Resilienz.
Mehr als eine Realität – Queere Perspektiven in der Schausammlung
Queere Geschichte im Museum neu entdecken. Dieses Projekt setzt sich kritisch mit der Darstellung queerer Themen in der Schausammlung des Landesmuseums Württemberg auseinander. In Zusammenarbeit mit queeren Communities werden innovative Vermittlungsformate entwickelt, um historische Narrative neu zu denken und die Sichtbarkeit queerer Geschichte zu erhöhen.
Kultur auf Rädern für die Stadt. Die KESSELKARRE bringt Kunst und Kultur direkt zu den Menschen in Stuttgart. Als mobile Bühne, Begegnungsraum und Workshop-Ort ermöglicht es kulturelle Teilhabe für junge Menschen und schafft neue Verbindungen zwischen Kunst, Stadt und Gesellschaft. Das Programm umfasst Konzerte, Theateraufführungen und kreative Workshops.
Die unsichtbare Verbindung erforschen. Dieses künstlerische Forschungsprojekt widmet sich dem Thema Luft – als Element, das Mensch und Umwelt verbindet. In Workshops, Performances und interaktiven Formaten setzen sich die Teilnehmenden mit Fragen der Luftqualität, Atmung und des Klimaschutzes auseinander und entwickeln kreative Ausdrucksformen zu diesem essentiellen Thema.
Literatur neu denken. In diesem Projekt treffen sich jungen Menschen zum Lesen, Schreiben und Experimentieren. Sie erweitern den Literaturbegriff und setzen sich mit den gesellschaftspolitischen, transkulturellen und technologischen Anforderungen der Gegenwart auseinander. Neben Lesungen und Schreibwerkstätten entwickeln die Teilnehmenden mit einer jährlichen Gala auch eigene Formate.
Beteiligte:Literaturhaus Stuttgart, Jan Snela, Viktoria Theil, Jule Steinmetz, Andrea Friedel Format: Lesungen, Schreibwerkstätten, Lesekreise, Performances Zielgruppe:Junge Autor:innen (18-29 Jahre)
13
DRAUFSICHT UNIVERSUM
Ein Festival von Jugendlichen für Jugendliche. In diesem Projekt gestalten Jugendliche ihr eigenes Festival. Durch Workshops in Veranstaltungstechnik, Kunst und Film lernen sie, kulturelle Events selbst zu organisieren und umzusetzen. Das Draufsicht Festival bildet den Höhepunkt und bietet eine Plattform für ihre kreativen Ideen und Talente.
Let’s Play – Interdisziplinäres Labor für medienbasierte Formate
Gaming trifft auf Kunst. In diesem Labor entwickeln junge Menschen gemeinsam mit Künstler:innen neue spielerische Formate – von Virtual Reality über Games bis zu interaktiven Performances. Ziel ist es, die Grenzen zwischen Kunst und digitalen Medien zu erkunden und innovative Ausdrucksformen zu schaffen
Klassik und Clubkultur im Dialog. Eine innovative Konzertreihe verbindet klassische Musik mit elektronischen Klängen und ermöglicht Jugendlichen, sich aktiv in die Organisation und Gestaltung einzubringen. Regelmäßige Workshops vermitteln Grundlagen der Kulturarbeit, während die Konzerte im urbanen Raum neue Zugänge zu Musik schaffen.
Kulturinstitutionen öffnen sich für junge Menschen. Dieses Projekt macht etablierte Kulturorte zugänglicher für marginalisierte Gruppen. In Zusammenarbeit mit Jugendlichen werden urbane (Zwischen-)Räume neu gedacht und als künstlerische Plattform genutzt. Ziel ist es, nachhaltige Kooperationsprozesse zwischen Institutionen und jungen Akteur:innen zu entwickeln.
Beteiligte:Württembergischer Kunstverein, FITZ, White Noise, Celine Klotz, Jonas Bolle Format:Aktionen im Stadtraum, Workshops, Beteiligungsprozesse Zielgruppe: Jugendliche (15-29 Jahre), insbesondere aus marginalisierten Gruppen
17
Kunst und KI – Begegnungen mit künstlicher Intelligenz
Wie beeinflusst KI die Gesellschaft? Schüler:innen setzen sich in Kooperation mit Künstler:innen kreativ mit künstlicher Intelligenz auseinander und erschaffen eigene Kunstwerke. Diese werden jährlich präsentiert und regen einen generationenübergreifenden Diskurs über Technologie und Kreativität an.
Ein sicherer Raum für die Ballroom-Kultur. In regelmäßigen Training Sessions, Workshops und Performance-Events werden künstlerische Ausdrucksformen und die Geschichte der Ballroom-Kultur vermittelt. Das Projekt schafft einen Schutzraum für BIPOC- und LGBTIQ+-Communities und setzt sich aktiv gegen Diskriminierung ein.
Beteiligte:Jugendhaus Heslach, Carina S. Clay, SERVE. Format:Tanztrainings, Performances, Community-Building Zielgruppe:LGBTIQ+- und BIPOC-Community sowie ihre Unterstützer:innen
19
UNBOUND
Street Dance als künstlerisches Ausdrucksmittel. Dieses vierjährige Förderprogramm unterstützt junge Tänzer:innen aus der Street-Dance-Kultur und bietet ihnen Räume für künstlerische Entwicklung. In Workshops, Battles und Residenzen wird Tanz als gleichwertige Kunstform etabliert und mit neuen Impulsen bereichert.
Ein kulturelles Zentrum für Stuttgart-Nord. Das JOiN-Haus versteht sich als Community Center, in dem Jugendliche selbst Verantwortung für künstlerische und soziale Programme übernehmen. Mit partizipativen Formaten entsteht ein Ort des Austauschs, der nachhaltig von jungen Menschen gestaltet wird.
Ein soziokulturelles Zentrum in Bad Cannstatt entsteht. Jugendliche entwickeln gemeinsam kulturelle Formate, gestalten den Raum aktiv mit und bringen Architektur, Kunst und soziale Teilhabe zusammen. In offenen Werkstätten werden kreative Ideen umgesetzt und langfristige Strukturen für partizipative Stadtentwicklung geschaffen.
Beteiligte:Contain’t, Ann-Kathrin Müller, Bennett Gehring, Jakob Mäder, Jan-Timo Ort, Judith Engel, Kalian Dahlhoff, Laima Adelaide, Manuel Albani, Tamara Wirth, Weiny Fitui Format:Format: Raumgestaltung, Workshops, interdisziplinäre Zusammenarbeit Zielgruppe:Junge Erwachsene (15-29 Jahre) mit Interesse an Kultur, Stadtentwicklung und Gemeinschaft
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